Stadtleben wird multispezifisch: Meet Your Neighbours!
Workshopimpuls zu Transdisziplinärem Lernen beim TU Projekt „City as a Laboratory“

Im Rahmen des TU Projektes „City as a Laboratory – Grundlagen transdisziplinärer Arbeit“ hatte ich im Juni das große Vergnügen auf Einladung von Dr. Thorsten Philipp zusammen mit Elise Graton, einen Praxisimpuls ganz nach meinem Geschmack beizutragen: „Stadtleben wird multispezifisch: Meet Your Neighbours!“
„Human-centered-Design“ gilt bis heute bei vielen als „Errungenschaft“ der Prozessgestaltung. Eine naheliegende Perspektive in einer Zeit des Antropozän, in der nicht nur alles durch, sondern auch primär für den Menschen gestaltet wird.
Der Ansatz „More-than-Human-Design“ hinterfragt den Kreis der Stakeholder in der Prozessgestaltung und erweitert ihn um Perspektiven nicht-menschlicher Spezies. Schnell landen wir hier bei komplexen Fragestellungen. Wer darf hier eigentlich „berechtigte“ Interessen haben? Wie kann man eigentlich für andere sprechen – schon gar für nicht menschliche Spezies? Und wie soll das methodisch sauber umgesetzt werden? Viele spannende und schwierige Fragen, besonders in Zeiten polarisierter moralisch aufgeladener Debatte um Identität und Teilhabe.
Mit „Meet your Neighbours“ nähern wir uns dieser Aufgabe banaler und auf Augenhöhe. Inspiriert von der Bewegung der „Spezies-Botschafter:innen“ fragen wir nicht primär „Wofür ist der Löwenzahn gut?“ oder „Wie schützen wir ihn?“. Mit diesem Impuls lade ich dazu ein, uns auf Augenhöhe zu begeben und zu fragen „Was können wir eigentlich vom Löwenzahn lernen?“, oder „Was braucht er, um zu gedeihen?“.
Warum ich das mache? Weil diese Fragen unsere Gewohnheiten des Beziehungsaufbaus hinterfragen. Weil wir so als Mensch weder als überlegene Nutzer noch als wohlmeinende Fürsorger auftreten. Das sind aus meiner Sicht spannende Fragen – auch für Führung. So leuchten wir blinde Flecken unserer Wahrnehmung aus, ohne moralische Belehrung – mit Humor und mit allen Sinnen.
Denn wer definiert für uns, von wem und wie wir lernen? Wozu braucht Verbundenheit und Zugehörigkeit besondere Begegnungsräume? Braucht Naturverbundenheit das Erleben „intakter“ Natur? Und was geschieht mit unserem Verständnis von Zugehörigkeit, wenn Nachbarschaft nicht mehr nur menschlich gedacht wird? Und vor allem: Was bedeutet dies für unser Verständnis von Lernen und Entwicklung?
Aus dieser Reflexion entstehen Anschlüsse, die weit über „Artenkenntnis“ hinausgehen: Muster unbewusster Wahrnehmung, Mechanismen von Bonding und Ausgrenzung, Prinzipien der Innovations-Entwicklung, Nachhaltigkeit und Prozessgestaltung. Und so entstehen transdisziplinäre Lernräume – kostengünstig, unspektakulär und voller Nachbar:innen, die wir bislang übersehen.
Deshalb noch einmal herzlichen Dank an Dr. Thorsten Philipp für die Einladung zur Co-Creation und auch an alle menschlichen und nicht-menschlichen Teilnehmenden für die Gelegenheit, gemeinsam Möglichkeiten für transdisziplinäre Lernräume für eine Zukunft des Miteinanders in dieser Stadt auszuloten.





